Reflexion des Projektes

Inhalt diesen Kapitels ist es, die gemachten Erfahrungen während des Projektes zusammenzufassen und den Erfahrungen anderer sehgeschädigtenspezifischer Einrichtungen gegenüberzustellen sowie Verbesserungsvorschläge für weitere Projekte zu erstellen.

Erfahrungen während des Projektes

Zu Beginn des Projektes waren die Schüler sehr motiviert und begeistert bei dem Gedanken, im Internet arbeiten zu können. Diese Motivation und Freude ließ allerdings während den ersten praktischen Versuchen, im Internet zu arbeiten, deutlich nach. Schuld daran waren vor allem die aufgetretenen Probleme, die sich bei der Arbeit mit der Braillezeile ergaben.

Diese Schwierigkeiten konnten zu Beginn des Projektes (bis Phase 3) dadurch aufgefangen werden, indem die Web-Pages, die im Unterricht besprochen werden sollten, im voraus von den Lehrkräften auf ihre Tauglichkeit mit der Braillezeile getestet wurden. Allerdings war damit ein „richtiges" Arbeiten im Internet, welches sich z.B. dadurch kennzeichnet, daß Links einer Seite weiterverfolgt werden, um so von einer Seite zur anderen zu gelangen, nicht möglich. Genausogut hätten die Schüler auch einzelne Dateien z.B. in Word öffnen und lesen können. Die geschilderte Vorgehensweise war aber dadurch gerechtfertigt, daß mit den lesbaren Seiten einige Grundkenntnisse und erste Erfahrungen im Internet durch die Schüler gesammelt werden konnten. Spätestens aber in Phase 4: Ausführliches Arbeiten mit einer Suchmaschine war nicht mehr abzusehen, welche Seiten im Unterricht von den Schülern aufgerufen werden, womit eine gezielte Vorbereitung und Auswahl der Internet-Adressen nicht mehr realisierbar war. In dieser Phase zeigte sich deutlich, daß ein komfortables Arbeiten im Internet durch Blinde und hochgradig Sehbehinderte eine lange Einarbeitungszeit voraussetzt.

Sehr langwierig und arbeitsintensiv gestaltete sich die Arbeit mit einer Suchmaschine insbesondere auch deshalb, weil über die Braillezeile ein Auslesen der Internet-Seite sehr viel länger dauert und es schwerer zu erkennen ist, bei welchen Suchergebnissen es sich lohnt, die Adresse weiterzuverfolgen. Dies fällt Sehenden und Sehbehinderten, die visuell arbeiten können, leichter, da die Ergebnisse rascher durchgearbeitet werden können. Somit ist eine Trennung zwischen vielversprechenden und unbrauchbaren Ergebnissen einer Suchanfrage einfacher möglich.

Ab dieser Projektphase zeigte sich außerdem, daß ein solches Projekt mit nur einer Lehrkraft nicht vernünftig zu realisieren ist. Obwohl während des Projektes meist drei Lehrkräfte zugegen waren, um den Schülern bei der Arbeit im Internet zu helfen und Probleme wenigstens einigermaßen zu beheben, konnte selbst mit dieser Betreuung ein komfortables Arbeiten selten ermöglicht werden. Oft traten an allen sechs Arbeitsstationen gleichzeitig Fragen auf, so daß es nicht selten vorkam, daß einige Schüler längere Zeit nicht arbeiten konnten.

Nach insgesamt zehn Stunden, in denen die Schüler im Internet gearbeitet haben, zeichnete sich im Verlauf der vierten Phase bei einem blinden Schüler der siebten Klasse ab, daß er die Grundstruktur des Internet verstanden hat und er nun langsam damit begann, sich ohne Hilfen einer Lehrkraft eine Internet-Seite zu erarbeiten. Ihm fiel es daher auch am einfachsten, zu dem vorgegebenen Thema in Phase 6 nach Informationen zu recherchieren. Aber auch dieser Schüler nannte die Bewertung von Suchergebnissen in der Reflexion als problematisch und unkomfortabel. Es ist anzunehmen, daß ein zügiges Arbeiten dadurch ermöglicht würde, wenn die Schüler schneller einen Überblick von den aufgerufenen Web-Pages erhalten könnten. Dieser Vorschlag wird in Kapitel Verbesserungsvorschläge bezüglich der Technik: Aspekt Link-Liste wieder aufgegriffen.

Das Projekt mußte leider aus Zeitgründen mit Beginn der Pfingstferien an der Nikolauspflege beendet werden. Bis zu diesem Zeitpunkt war immer noch lediglich der Siebtkläßler in der Lage, sich weitestgehend allein im Internet zurecht zu finden. Es ist aber wahrscheinlich, daß die meisten anderen Schüler im Verlauf des Projektes eine gewisse Vorstellung davon erlangen konnten, was das Internet ist und wie man damit arbeitet, so daß spätere Arbeitsphasen im Internet ihnen leichter fallen werden. Mit einer Verlängerung des Projektes um ca. zehn Stunden hätte bei drei oder vier Schülern vermutlich ebenfalls ein eigenständiges Arbeiten erreicht werden können. Es ist daher zu hoffen, daß die Schüler weiter die Gelegenheit bekommen, im Internet gezielt nach Informationen suchen zu können, um ihre Kompetenz im Umgang mit dem Internet stetig zu steigern und damit einen Zugang zur heutigen Informationsgesellschaft zu erhalten.

Erfahrungen anderer Einrichtungen

Um die Resultate des Projektes besser einschätzen zu können, sollen an dieser Stelle Erfahrungsberichte anderer Einrichtungen aufgeführt werden, die im Rahmen der Arbeit besucht wurden.

 

Sehbehindertenschule Karlsruhe

Die Sehbehindertenschule (Schule am Weinweg) in Karlsruhe ist im Bereich der neuen Medien sehr fortschrittlich. Dies resultiert daraus, daß ihr das Medienpädagogische Beratungszentrum für Sehgeschädigte zugeordnet ist. In fast allen Klassenräumen stehen PC zur Verfügung (insgesamt ca. 90 PC), so daß dem Einsatz des Computers nicht der Eindruck „zu Gast im PC-Raum" zukommt (vgl. Umfrageergebnisse von Degenhardt (1994) und das Kapitel Informationstechnische Grundbildung).

Seit wenigen Wochen hat die Schule eine eigene Internet-Seite (www.schule-am-weinweg.de). Im Rahmen dieser Internet-Seite ist geplant, den Schülern in Zukunft eine Art Spielwiese zu eröffnen, in der sie die Freiheit haben, eigene Web-Seiten zu entwerfen und zu veröffentlichen.

Außerdem gibt es als Erweitertes Bildungsangebots der Schule eine Internet-AG, die seit dem Schuljahr 1998/99 besteht. Während des ersten Schulhalbjahres wurde den Schülern grundlegende Kenntnisse des Internet vermittelt. Dazu wurde von dem Lehrer ein sechsseitiges Skript entworfen, das folgende Punkte behandelt:

  1. Was ist das Internet?
  2. Kommunikations- und Informationsmöglichkeiten im Internet (E-Mail, WWW, Browser, Informationssuche/Suchmaschinen)
  3. Geschichte des Internet

Im Verlauf des zweiten Schulhalbjahres wurde von den Schülern eine Homepage für die Firma „Service für Schule" entworfen. Diese Firma wird von Schülern des Wahlpflichtfaches Wirtschaft und Teilnehmern des Erweiterten Bildungsangebots gehalten. Die Homepage wird in Absprache mit der Firma entwickelt. Die Schüler verwenden dazu FrontPage, ein Microsoft-Produkt zum Erstellen von Internet-Seiten. Dabei sollen sie lernen, wie man eine Internet-Seite übersichtlich und klar strukturiert, welche Links die Bedienfreundlichkeit erhöhen und wie man die Features programmiert.

Innerhalb der Arbeitsgemeinschaft wird der Informationssuche im Internet keine große Bedeutung zugemessen. Wenn die Schüler den Wunsch haben, im Internet zu surfen, erhalten sie dazu auch den Freiraum. Doch sie selber sehen dies nicht als eine effektive Methode an, um gezielt an Informationen zu kommen. Es überwiegt dabei allein der Freizeitwert.

Chat-Rooms benützen die Schüler nur, um Fragen zu bestimmten Themen (z.B. Computer-Probleme) zu klären. Ein Besuch von Chat-Rooms zum alleinigen Plaudern wird als uninteressant abgelehnt.

 

Staatliche Schule für Blinde und Sehbehinderte in Friedberg

Internet kommt in der Schule für Blinde und Sehbehinderte in Friedberg in zwei verschiedenen Bereichen zum Einsatz. Einerseits erhalten die Schüler im Rahmen des berufsvorbereitenden Unterrichts eine systematische Einführung ins Internet. Andererseits haben Schüler aller Jahrgangsstufen die Möglichkeit, einmal wöchentlich die Internet-AG zu besuchen, in der sie ohne Anleitung nach ihren eigenen Wünschen im Internet surfen können.

Berufsvorbereitender Unterricht: Die Arbeit mit dem Internet wird in diesem Bereich erst realisiert, wenn grundlegende EDV-Programme wie z.B. Textverarbeitungsprogramme oder Tabellenkalkulationen von den Schülern sicher beherrscht werden. Diese Regelung wurde eingeführt, nachdem bei der Betreuung von Berufspraktika eklatante Mängel von Schülern der Abschlußklasse in diesem Bereich aufgetreten sind. Da sehbehinderte Jugendliche von Beginn an schlechtere Chancen auf einen Ausbildungsplatz haben, kommt einer fundierten Kenntnis in elementaren EDV-Anwendungen Vorrang vor dem Einsatz des Internet zu.

Internet-AG: Jeden Donnerstag Nachmittag haben die Schüler die Möglichkeit, ihren Interessen entsprechend eine AG auszuwählen. Im Rahmen diesen Angebotes gibt es auch die Internet-AG, in der an acht Arbeitsplätzen, die alle mit Braillezeile und Großbildschirmen ausgerüstet sind, nach Lust und Laune im Internet gesurft werden kann. Bei einem Besuch dieser AG suchten die Schüler nach Informationen zu den Themen Sport, Musik (MP3-Dateien), Fernsehprogramme, Auto, Stars sowie Computerspiele. Dabei messen diese Schüler dem Medium lediglich eine geringe Bedeutung für Schule und Ausbildung zu, sie wollen allein zum Spaß im Internet surfen. Besonders ein blinder Schüler fiel während eines Besuches der AG auf, da er sicher und sehr zügig im Internet arbeitete, obwohl er nach eigenen Aussagen erst das dritte Mal im Internet war. Er bezeichnete sich aber als Computerfreak, der sich gern mit dem PC beschäftigt.

Internet-Café der Nikolauspflege Stuttgart

Das Internet-Café der Nikolauspflege Stuttgart wurde am 2. März diesen Jahres auf dem Gelände der Stiftung eröffnet. Seit der Eröffnung besuchen durchschnittlich sieben bis neun Jugendliche und junge Erwachsene (meist Auszubildende) das Café regelmäßig zu den Öffnungszeiten jeweils von Montag bis Mittwoch von 18 bis 21 Uhr. Die Nutzung des Internet-Zugangs kostet die Nutzer symbolische 2 DM pro halbe Stunde, damit auch der Aspekt vermittelt werden kann, daß das Internet nicht kostenlos ist. Bei der Frage, ob sie dies gerecht finden, antworten alle Besucher mit ja, da Internet schließlich auch nicht umsonst sei.

Die Einrichtung wurde innerhalb des Projektes Multimediale Anwendungen für Benachteiligte gegründet, in dem die drei Berufsbildungswerke der Nikolauspflege, der Paulinenpflege in Winnenden (Hör-/Sprachbehinderungen) sowie das Berufsbildungswerk in Waiblingen für Lernbehinderte zusammen geschlossen sind. Ziel dieses Projektes ist es, Benachteiligten multimediale Anwendungen sowie das Arbeiten im Internet näherzubringen, damit Schüler und Auszubildende den wachsenden Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt im Bereich der EDV gewachsen sind, in dem immer häufiger Arbeitnehmer fundierte Kenntnisse im Umgang mit Computern erwarten. Daher soll diese Zielgruppe außerhalb von Ausbildung und Schule noch eine weitere Möglichkeit besitzen, sich mit dem Medium Internet beschäftigen zu können.

Die Erfahrung zeigt jedoch, daß die Besucher des Cafés vor allem den Internet-Zugang nutzen, um in Chat-Rooms online mit anderen zu plaudern. Einige Besucher des Cafés verbringen bis zu zwei Stunden dabei, sich über Themen wie Freundschaft zu unterhalten. Gerade dieser Aspekt scheint für sehbehinderte Jugendliche einen hohen Stellenwert zu besitzen, da sie in diesem Medium keine Benachteiligung gegenüber sehenden Jugendlichen erfahren müssen. Somit haben sie hier die Chance auszuprobieren, wie sie bei anderen ankommen, ohne daß ihre Behinderung eine Rolle spielt.

Weitere Themen, zu denen von Besuchern des Cafés recherchiert wird, sind Computer (z.B. Preise), Bahn- bzw. Flugauskunft (übersichtliches Auskunftsprogramm: www.efa-bw.de, schlechtes Beispiel einer Internet-Seite ist die Auskunft des Verkehrsverbundes Stuttgart www.vvs.de, da auf dieser Seite mit Braillezeile nichts zu erkennen ist), Informationen des Arbeitsamts, Informationen von Jobline (Arbeitsangebote für Sehbehinderte und Blinde) sowie E-Mail.

Das Internet-Café wird insbesondere von den Auszubildenden des Berufsbildungswerkes gut angenommen.

 

Universität Karlsruhe - Studienzentrum für Sehgeschädigte

Im Zeitraum von 1987 bis 1993 wurde an der Universität Karlsruhe ein Modellversuch durchgeführt, der zum Ziel hatte, Sehgeschädigten solche Studienmöglichkeiten und Berufsfelder zu eröffnen, die ihnen bisher nur schwer oder überhaupt nicht zugänglich waren. Aus diesem Versuch ist das Studienzentrum für Sehgeschädigte in Karlsruhe hervorgegangen. Im Rahmen der Arbeit wurde mit drei blinden Studierenden (zwei Informatik-Studenten, eine Studentin des Wirtschaftsingenieurswesen) zu ihren Erfahrungen im Internet ein Gespräch durchgeführt.

Alle Befragten arbeiten mit Lynx, einem textorientierten Browser, der unter UNIX arbeitet. Dabei werden Grafiken und Bilder nicht angezeigt, es wird an der entsprechenden Stelle nur der Hinweis gegeben, daß sich hier ein Bild bzw. eine Grafik befindet. Desweiteren wird Text, der bei einem grafikorientierten Browser in mehreren Spalten dargestellt wird, als Fließtext angezeigt. Damit ist dieser Browser für Blinde gut einsetzbar, da ein zeilenweises Auslesen mit der Braillezeile ermöglicht wird.

Insgesamt nutzen die Studenten das Internet vorwiegend als Informationsquelle und zum Schreiben bzw. Versenden von E-Mails. Chat-Rooms werden von ihnen überhaupt nicht genutzt. Häufig verwendete Internet-Seiten sind beispielsweise:

Darüber hinaus benutzen die Studenten häufig auch Telnet, FTP und Gopher (alle drei sehr textorientiert), insbesondere aus Gründen des Studiums.

Die Studentin gibt zwar zu Bedenken, daß viele Informationen in der Bibliothek schneller zu beschaffen wären, als sie lange im Internet zu suchen. Jedoch wird von ihr ein sehr wichtiger Aspekt eingebracht: In der Bibliothek bräuchte sie immer jemand Sehenden, um ihr zu helfen. Im Internet kann sie weitgehend allein arbeiten.

Als problematisch wird von den Studenten angesehen, daß viele sehgeschädigte Computer-Anwender heute nicht mehr die grundlegenden Begriffe oder Anwendungen gelernt haben, sondern sofort ohne Grundkenntnisse „mitten rein springen". Damit würden aber elementare Informationen fehlen, ohne die ein strukturiertes Arbeiten nicht möglich ist.

Verbesserungsvorschläge bezüglich der Technik

Die aufgetretenen Probleme lagen meist an der Bedienfreundlichkeit der Braillezeile. Es ist anzunehmen, daß weniger Schwierigkeiten mit der Braillezeile aufgetreten wären, wenn nicht mit dem Browser von Netscape (Netscape Navigator) gearbeitet worden wäre, sondern stattdessen mit Lynx, einem textorienterten Browser, mit dem viele Sehgeschädigte arbeiten. Jedoch ist es ein Firmengrundsatz von Papenmeier, Sehgeschädigten grundsätzlich dieselben Programme, wie Sehende sie benutzen, zur Verfügung zu stellen, um eine Kommunikation unter den Nutzern zu ermöglichen. Bei einer Vorführung zum Thema Arbeiten im Internet, die von einer freien Mitarbeiterin der Firma Papenmeier an der Nikolauspflege durchgeführt wurde, wurde die Möglichkeit der Nutzung eines Browsers, wie ihn Sehende benutzen, extra noch einmal betont. Wenn jedoch die Arbeit mit textorientierten Browsern wie Netscape von Papenmeier propagiert wird, muß die Bedienfreundlichkeit noch wesentlich gesteigert werden.

Die Probleme traten während des Projektes auch deshalb gehäuft auf, weil im Computerraum der Nikolauspflege bisher von keiner Gruppe in diesem Umfang bzw. mit dieser Regelmäßigkeit im Internet gearbeitet wurde.

Besonderes ärgerlich war, daß die Braillezeile der Firma HandyTech, die im Internet-Café eingesetzt ist, die meisten Schwierigkeiten nicht zeigt. Daher wurde von Seiten der Projektgruppe die Forderung laut, die Steuerungssoftware der Braillezeile zu modifizieren, um ein komfortableres Arbeiten im Computerraum zu ermöglichen, da ein Austausch der Braillezeilen aus Kostengründen nicht möglich ist.

An dieser Stelle soll nun ein Forderungskatalog aufgestellt werden, welche Anpassungen oder Änderungen nötig wären, um ein einigermaßen zufriedenstellendes Arbeiten zu realisieren:

Þ Es müssen Sprungmarken definiert werden, die ein schnelles Arbeiten mit dem Internet-Browser (Bsp.: Netscape Navigator) ermöglichen (Bsp.: Marke für die erste Zeile des Fensterinhaltes)!

Þ Die Braillezeile darf nicht unkontrolliert auf Tastendruck reagieren!

Þ Die Braillezeile muß den kompletten Bildschirminhalt auslesen!

Þ Alle Links auf einer Seite müssen mit Cursor-Routing aktivierbar sein!

Þ Spaltenauflösung auch bei dieser Braillezeile ermöglichen!

Þ Die Tab-Taste darf nicht unkontrolliert springen!

Þ Die Tab-Taste muß den Bildschirminhalt systematisch und vollständig auslesen!

Þ Eingabefelder müssen für Blinde auf der Braillezeile erkennbar sein!

Þ Nur Links sollten als Link interpretiert und unterstrichen dargestellt werden!

Þ Das veränderte Profil der Braillezeile muß während der gesamten Arbeitszeit im Internet erhalten bleiben!

Die Link-Liste ist eindeutig der Anzeige in der vertikalen Braillezeile vorzuziehen, da bei der alleinigen Anzeige über die vertikale Zeile nur die Links des jeweiligen Bildschirmausschnitts angezeigt werden. Befindet sich auf der Internet-Seite weiter unten ein Link, so wird dieser nicht angezeigt, die Link-Liste hingegen liest die gesamte Seite aus. Desweiteren muß bei der Link-Liste der Link nicht noch lang in der entsprechenden Zeile gesucht werden, sondern kann direkt angewählt werden.

Þ Anzeige der enthaltenen Links einer Internet-Seite über eine Link-Liste, die in einem eigenen Fenster angezeigt wird!

Þ Alle Internet-Seiten müssen über Braillezeile/Sprachausgabe erkennbar sein!

Þ Ausdrucken in Braille muß direkt aus dem Internet ermöglicht werden!

Þ Bildschirmausschnitt der Vergrößerungssoftware muß Tab-Taste folgen!

Erst wenn einige dieser Forderungen erfüllt sind, scheint ein sinnvolles und zielgerichtetes Arbeiten in angemessener Zeit möglich zu sein.

Forderungen an den Lehrer

Kurz vor Beendigung der Arbeit erschien im Juni 1999 in der Stuttgarter Zeitung noch eine kleine Umfrage zum Thema Die Lehrer und das Netz der Netze. Dabei wurden 24 Pädagogen an einem Stuttgarter Gymnasium nach ihrer Internet-Erfahrung und ihrem Einsatz des Mediums in der Schule gefragt. Dabei wurde deutlich, daß die Mehrheit der befragten Lehrer (83%) sich darüber bewußt ist, welche Bedeutung dem Internet in der Schüler zukommt und nutzen auch selber das World Wide Web. Insbesondere der Aspekt der Informationsbeschaffung wird dabei zu 100% als Anwendungsgrund genannt.

Um so erstaunlicher ist es, daß nur 33% der befragten Lehrer es in Betracht ziehen, das Internet aktiv in ihre Stunden einzubauen. Denn sie nehmen an, daß Schüler unwillig sind, sich sinnvoll mit dem Medium beschäftigen zu wollen! 81% der Lehrer vermuten, daß der Hauptzweck, den Schüler im Internet sehen, Spaß, Spiel und Unterhaltung sei, weshalb 67% eine zusätzliche Informationsbeschaffung durch die Schüler im Internet ausschließen!

Diese Haltung ähnelt der Einführung jeden neuen Mediums. Auch der Fernseher als Informationsquelle wurde lange Zeit als gefährliche Beeinflussung der Schüler von der Schule fern gehalten, genau so wie Videos oder Lernsoftware. Zusätzlich drängen sich noch weitere Fragen auf: Wenn die Lehrer so sehr befürchten, ihre Schüler spielen nur zum Spaß und zur Unterhaltung im Internet, ist dann nicht damit auch die Angst verbunden, sie verlieren ihre Schüler an das neue Medium und halten es deshalb vom Unterricht fern? Ist diese Angst gerechtfertigt? Führt nicht vielmehr eine gezielte Einbindung des Mediums Internet in den Unterricht zu einer selbstbewußten und distanzierten Haltung gegenüber dem Medium? Ist es nicht gerade die Aufgabe der Schule und dabei insbesondere der interneterfahrenen Lehrer, ihre Schüler zu einem zielgerichteten und kritischen Arbeiten mit dem Internet anzuleiten?

Kein Medium wird allein zur Informationsbeschaffung genützt und statt dessen zum Zweck der Unterhaltung ‘mißbraucht’. Dabei müssen sich die Lehrer auch selbst einmal beobachten: Nützen sie denn das Internet allein zur sachlichen Informationsbeschaffung und surfen sie nicht auch einmal nur so zum Spaß. Ist dies nicht das Recht jeden Internet-Nutzers, daß er das Medium auf vielfältige Art nutzen kann?

Im Verlauf des Projektes hat sich deutlich gezeigt, daß Lehrkräfte sich bei der Durchführung eines solchen Vorhabens im Internet sehr gut auskennen müssen. Probleme, die auftreten, dürfen durch Unwissenheit des Lehrers nach Möglichkeit nicht noch verstärkt werden. Gerade deshalb ist es die Aufgabe der interneterfahrenen Lehrer, ihre Schüler zum bewußten Umgang mit diesem Medium zu befähigen. Denn soll die Schule nicht die ihr anvertrauten Jugendlichen dabei unterstützen, ihren Weg zum selbständigen, selbstbewußten und kritischen Bürger unserer Gesellschaft gehen zu können? Damit ist aber in der Informationsgesellschaft von heute die Befähigung des Zugangs zu Informationen mit eingeschlossen.

Diese Forderung trifft nun verstärkt auch die Blinden- und Sehbehindertenschule. Auch in diesen Schulen steht man dem Einsatz des Internet kritisch gegenüber. Oft wird nicht gesehen, daß eine Hinführung zu diesem Medium eine Lebensperspektive für diese Schüler darstellt, um damit an der Gesellschaft teilnehmen zu können. Der durchaus lang andauernden Einführungsphase wird nicht genügend Effizienz zugeschrieben, so daß dem Aufwand kein adäquater Nutzen gegenübersteht. Doch gerade der ersten bewußten Arbeit mit dem Internet kommt für diese Schülergruppe eine große Bedeutung zu, in der man die Effizienz erst in späteren Arbeitsphasen erkennt. Nämlich dann, wenn die Schüler gelernt haben, mit dem Medium zielgerichtet zu arbeiten. Dann ist in der weiteren Arbeit mit dem Internet auch durchaus die Frage nach dem Nutzen zu stellen und kritisch den Einsatz des Internet zu beleuchten.

Anhand der voranstehenden Ausführung ist zu erkennen, daß der Rolle des Lehrers beim Einsatz des Internet v.a. in einer Schule für Sehbehinderte und Blinde eine große Bedeutung zukommt. Dieser Bedeutung muß sich der Lehrer bewußt sein, um seine Schüler zu der Arbeit im Internet anleiten zu können.

  Dokumentation des Projektes

  Resümee