Resümee
Die vorliegende Arbeit hat den Anspruch, den Wandel der Gesellschaft auf dem Weg ins Informationszeitalter hinsichtlich der Konsequenzen für sehbehinderte und blinde Menschen zu untersuchen. Es sollen damit die Chancen aufgezeigt werden, die in einer Öffnung dieses Zugangs für Sehgeschädigte liegen, ohne dabei die Risiken und Gefahren außer Acht zu lassen. Doch trotz und vor allem gerade wegen dieser Gefahren muß darauf hingearbeitet werden, die Hindernisse, die sich Sehgeschädigten bei der Nutzung des „information highway" in den Weg stellen, zu minimieren und zu eliminieren.
Dazu müssen die Bedürfnisse dieses Personenkreises (sowie auch anderer Behinderungsarten) in der Gesellschaft, insbesondere aber bei den Entwicklern von Internet-Seiten publik gemacht werden. Diese Aufgabe muß von verschiedenen Seiten angegangen werden (Bsp.: Selbsthilfeverbände, Großverbände, Arbeitskreise), um möglichst in einer gesetzlichen Verpflichtung zu enden, die jedem den Zugang zum Internet mit seiner Datenfülle garantiert.
Dann besteht auch die Chance, daß Sehgeschädigte dieses Medium sinnvoll nutzen, um die sich bietenden Perspektiven wahrnehmen zu können, ohne an technischen oder softwarebedingten Problemen scheitern zu müssen.
Besteht ein möglichst reibungsloser Zugang zu diesem Medium, kann das Internet leicht unter verschiedenen Zielvorstellungen in der Schule für Blinde und Sehbehinderte eingesetzt werden. Aufgaben im Internet, wie die Recherche nach neuesten Informationen und damit einer Ausweitung des Materialbestandes in Braille, führen dazu, den Schülern zu einer Informationskultur zu verhelfen, die über das Navigieren auf der Datenautobahn hinausgeht. Damit sind zusätzliche Chancen für sehbehinderte und blinde Jugendliche und Auszubildende in der heutigen Arbeitswelt eröffnet, in der EDV-Kenntnisse zum Basiswissen fast jeden Arbeitsplatzes gehören. Sehbehinderte und blinde Arbeitnehmer arbeiten meist mit Hilfsmitteln, die stationär aufgebaut werden müssen. Gerade in solchen Bürotätigkeiten ist der Computer aber unabwendbar zum Alltagsgegenstand geworden und der Computernutzung als Zugang zu Informationen kommt dabei eine wichtige Rolle als Qualitäts- und Wettbewerbsfaktor zu.
Aus dieser Konsequenz heraus muß gefordert werden, daß Sehbehinderten und Blinden der Zugang zum Internet nicht mehr länger vorenthalten werden darf.
Damit stehen aber die Sonderschulen für Blinde und Sehbehinderte in der Pflicht, ihre Schüler an dieses Medium heranzuführen. Dieser gezielten und angeleiteten Hinführung kommt bei sehgeschädigten Schülern eine besondere Rolle zu, da sie in der visuellen Perzeption benachteiligt sind, welche das Internet als stark visuell ausgerichtetes Medium gezielt ansprechen will. Daher muß mit sehbehinderten und blinden Schülern der Aufbau, die Funktionsweise und das Vorgehen bei der Suche nach Informationen im Internet ausführlich thematisiert und unter Anleitung ausprobiert werden. Somit sollen die behinderungsbedingt entstandenen Schwierigkeiten verringert werden, um die Schüler zu einem kritischen und zielgerichteten Arbeiten zu befähigen.
Die Bewältigung dieser Aufgabe hatte sich auch das Projekt zum Ziel gesetzt, welches im Rahmen der vorliegenden Arbeit durchgeführt wurde. Die Umsetzung offenbarte jedoch wesentliche technische Probleme, so daß die ursprüngliche Motivation der Schüler schnell einem nüchternen Arbeiten wich, bei dem sich die Schüler Internet-Seiten mühsam erarbeiten mußten.
Damit kommt man wieder zurück zur bereits genannten Forderung, Internet-Seiten so zu gestalten, daß bereits bei der Entwicklung die Bedürfnisse behinderter Menschen berücksichtigt werden. Denn wie das Projekt gezeigt hat, ist eine nachträgliche Anpassung wesentlicher komplizierter und fehleranfälliger. Es wäre jedoch für alle Sehbehinderten und Blinden fatal, sich mit dem momentanen Stand zufrieden zu geben.
Vielmehr muß in Zukunft die Anstrengung verstärkt werden, daß es in unserer Gesellschaft nicht zu einer Spaltung zwischen privilegierten Internet-Nutzern und Ausgeschlossenen kommt. Aufgrund den sich bietenden Möglichkeiten lohnt es sich, die Bemühungen um einen Zugang zum Internet weiter zu treiben und den erhöhten Aufwand, sich in die Nutzung des Internet einzuarbeiten, zu investieren. Insbesondere auch in den Schulen für blinde und sehbehinderte Kinder und Jugendliche.
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