
Projektrahmen
Dokumentation des Projektverlaufs

Interesse der Jugendlichen am und im Internet
Um das Projekt an den Interessen der Jugendlichen auszurichten, wurden die Ergebnisse der Studie „Jugend - Information - (Multi-)Media (JIM)" mit der aktuellen Befragung vom März/April 1998 herangezogen und auf Interessen, Vorlieben und Nutzung des Internet untersucht, die Ergebnisse werden im folgenden dargestellt. Um die Daten mit denen von sehbehinderten und blinden Jugendlichen vergleichen zu können, wurde die Projektgruppe sowie Besucher des Internet-Cafés der Nikolauspflege Stuttgart mit vergleichbaren Fragen interviewt.
Interesse von Jugendlichen nach JIM’98
Alle folgenden Daten stammen aus der oben angeführten Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbunds mit den Daten der letzten Erhebung im März/April 1998.
- Insgesamt geben 18% aller Befragten (n=803) an, im Internet zu surfen oder Online-Dienste zu nutzen, wobei nur 5% das Internet täglich oder mehrmals pro Woche nutzen. Die Zusammensetzung der jugendlichen Internet-Nutzer spiegelt das Verhältnis unter allen Nutzern wider: Jungen nutzen das Internet deutlich häufiger (Verhältnis rund 2 : 1) (S. 37).
- Als Motiv für die Nutzung des Internet stehen dabei die Möglichkeiten im Vordergrund, schneller an Informationen zu gelangen als andere (90% aller Internet-Nutzer, n=142) bzw. an Informationen zu gelangen, die sonst nur schwer zu bekommen sind (87%) (S. 39). Dies läßt sich auch durch die spezifischen Eigenschaften, die Jugendliche mit dem Internet assoziieren, erklären: Für jeweils 43% waren die herausragenden Eigenschaften des Internet die Informationsvielfalt und die Daten- bzw. Anwendungsfülle. Rund ein Drittel finden die Kommunikation über das Internet besonders erwähnenswert (S. 41).
- Wichtigste Informationsquelle für das Auffinden bestimmter Angebote sind Freunde (73%), gefolgt von den klassischen Medien (Zeitungen/Zeitschriften 58% und Fernsehen 50%), aber auch durch die Benutzung von Suchmaschinen navigieren die Jugendlichen im Internet (49%). Die Schule hingegen dient nicht als Quelle für interessante Angebote, lediglich 29% geben dies als wegweisend an (S. 44).
- Es stellt sich nun die Frage, welche Angebote Jugendliche im Internet bzw. bei Online-Diensten nützen. Als wichtigste Anwendung steht dabei die Informationssuche zu einem bestimmten Thema im Vordergrund (30%). Häufig hören sich die Jugendlichen Musik-/Sounddateien an oder laden Dateien auf den eigenen Computer. Auch die Kommunikation über E-Mails oder in Chat-Rooms wird oft genutzt. Die folgende Grafik zeigt die einzelnen häufig genutzten Anwendungen im Überblick:

Abb.:genützte Anwendungen im Internet bzw. bei Online-Diensten. Quelle: Medienpädagog. Forschungsverbund (Hrsg.) (1998), S. 40
Unabhängig davon, ob die Jugendlichen das Internet selbst nutzen, liefern Einstellungen und Meinungen zu diesem Medium wichtige Beweise für ihren Stellenwert im Leben der Jugendlichen. Deshalb wurde unter den Jugendlichen, die zumindest schon einmal etwas vom Internet gehört haben, ihre Einstellung dazu abgefragt. Knapp die Hälfte dieser Befragten ist davon überzeugt, daß man über das Internet bzw. über Online-Dienste gut neue Leute kennenlernen kann (47%). Auch der positive Effekt auf Schule und Ausbildung wird deutlich bejaht (44%). Und die hohe Zustimmung (39%), daß das Internet heute einfach dazu gehört, läßt die bereits vollzogene Integration der Medien in den Alltag deutlich werden. Weitere Angaben lassen sich der folgenden Abbildung entnehmen:

Abb. :Einstellungen zu Internet/Online-Diensten. Quelle: Medienpädagog. Forschungsverbund (Hrsg.) (1998), S. 45
Als Fazit zeigt sich, daß die neuen Medien Computer und Internet sich immer weiter etablieren. Dennoch ist heutzutage nur etwa jeder zehnte 12- bis 19jährige mindestens mehrmals im Monat online. Dabei gehört die Vielfalt der Informationen und die Möglichkeiten zur persönlichen Kontaktaufnahme mit anderen zu den Hauptanwendungen.
Umfrage an der Nikolauspflege
Um einen Vergleich der Interessen blinder und sehbehinderter Jugendlicher zu den Ergebnissen der JIM-Studie ziehen zu können, wurden analog zu den Fragen der JIM-Studie die Besucher des Internet-Cafés der Nikolauspflege interviewt. Insgesamt konnten 7 junge Erwachsene (alle sind an der Nikolauspflege zur Ausbildung) im Alter von 18 bis 23 befragt werden (Azubi A-G). Eine Eingrenzung auf den altersentsprechenden Personenkreis (12-19 Jahre) der JIM-Studie war nicht möglich, da sonst zuwenig Daten vorliegen würden. Von den Befragten waren 6 sehbehindert und arbeiten am PC ohne Vergrößerungssoftware, ein Befragter (G) war amaurotisch. Nur zwei der Auszubildenden waren Frauen.
Zu den Ergebnissen:
- Die Internet-Erfahrungen der Befragten sind sehr unterschiedlich. Azubi E surft seit 4/5 Jahren im Internet, die Auszubildende B begann erst eine Woche vor dem Interview.
- Alle Befragten hatten eine Vorstellung davon, was das Internet ist bzw. was man damit machen kann. Die Antworten reichten von „weltweites Informationssystem" (A), „größtes Datennetz der Welt" (B) bis „Nachrichten nehmen und so" (D). Bei der Frage, was ihnen zum Internet einfällt, wurde je dreimal der Informationsaspekt sowie „Chatten" genannt.
- Die Auszubildenden der Nikolauspflege maßen dem Internet für Schule und Ausbildung noch mehr Bedeutung zu als die Befragten der JIM-Studie (vgl. Abb. 5.2): 86% (6 von 7 Befragten) stimmten dieser Aussage voll und ganz zu! 71% sind sogar der Meinung, daß Internet heute einfach dazu gehört.

Abb.: Einstellungen zu Internet bzw. Online-Diensten (Nikolauspflege Stuttgart)
- Alle Befragten nutzen mind. einmal pro Woche das Internet, immer im Internet-Café. Dabei dauert eine Sitzung durchschnittlich bei 3 Auszubildenden (C, E, F) länger.
- Hauptmotiv der Nutzung war für die Befragten die Möglichkeit, über das Internet an schwer zugängliche Informationen zu gelangen (6 stimmten dieser Aussage voll und ganz zu), lediglich 3 von 7 stimmten hingegen der Möglichkeit voll und ganz zu, so schneller an Informationen zu gelangen als andere (JIM: 90%).
- Die Nutzung verschiedener Angebote unterscheidet sich von den Angeboten, die sehende Jugendliche täglich/mehrmals pro Woche nutzen. Folgendes Schaubild gibt Aufschluß über die Nutzungshäufigkeit der Auszubildenden, wobei die Angebote aufgeführt werden, die täglich, mehrmals sowie zusätzlich einmal pro Woche genützt werden, da einige nur einmal in der Woche im Internet-Café sein können:

Abb.: Nutzung verschiedener Angebote im Internet (Nikolauspflege Stuttgart)
Chatten und E-Mails verschicken hat für die Befragten die wichtigste Priorität. Dabei fällt auf, daß sie entweder diesen Bereich sehr wichtig nehmen oder überhaupt kein Interesse daran zeigen (Azubi A und G „chatten" nie oder seltener als einmal pro Monat, außerdem haben sie sich keinen E-Mail-Anschluß besorgt).
- Trotzdem die Kommunikation im Internet für die Befragten einen so hohen Stellenwert besitzt, nennen 4 Auszubildende die Information als das Besondere am Internet, 2 nennen den Aspekt der Kommunikation als besondere Eigenschaft, einer nennt die Daten- und Anwendungsfülle
- Als Lieblingsseiten werden v.a. Chat-Rooms sowie E-Mail-Anbieter genannt (je 4 Nennungen).
- Wichtigste Informationsquelle für das Auffinden bestimmter Angebote sind im Gegensatz zur JIM-Studie, die hier Freunde an erster Stelle nennt, für die Befragten angebotenen Links aufgerufener Internet-Seiten (5 Befragte finden so ihre Angebote häufig oder gelegentlich).
Als Fazit läßt sich festhalten, daß sich die Ergebnisse der Umfrage zwischen sehgeschädigten Nutzern der Nikolauspflege Stuttgart und den Ergebnissen der JIM-Studie v.a. bei der Nutzung von Chat-Rooms oder E-Mails unterscheiden. Außerdem sind Freunde bei sehgeschädigten Nutzern kaum hilfreich, wenn es darum geht, interessante Angebote zu finden (nur einer nutzt diese Möglichkeit gelegentlich, JIM: 73% häufig oder gelegentlich).
Im folgenden Projekt, welches eigentlich auf den Ergebnissen dieser Umfrage aufbauen wollte, wird trotz der hohen Bedeutung von Chat-Rooms bei sehgeschädigten jungen Erwachsenen das Thema Chatten nicht thematisiert. Denn die Schüler sollen das Internet zuerst als eine Informationsquelle kennen lernen, womit sie evtl. schneller und einfacher an Informationen gelangen können als sonst. Das Thema E-Mail wird erst zum Schluß kurz angerissen, soll jedoch im Verlauf des Schuljahres im Deutsch-Unterricht noch einmal aufgegriffen werden.

Projektrahmen
Dokumentation des Projektverlaufs
